Motag 4. Mai 2026
Heute geht es erstmals über den Polarkreis. We are excited! Die heutige Etappe führt nach Jokkmokk, das so etwas wie das Zentrum der samischen Bevölkerung ist.
Die Distanz bis Jokkmokk ist etwa 300 km. Da die Temperaturen um rund 4° Celsius liegen, ist der Stromverbrauch des Autos entsprechend höher, so dass wir in Arvidsjaur einen Ladestopp einlegen.
Am Ortseingang begegnen wir vor dem "Medborgarhuset" (Bürgerhaus, eine Art Versammlungs- und Mehrzweckraum) einer Elchfamilie, allerdings nur in Form einer Statuengruppe.

In einem naheliegenden Café wollen wir etwas trinken und die Toilette benutzen. Leider hat das Lokal geschlossen. Uns doch egal, dann gehen wir halt auf die öffentliche Toilette 100 m weiter.
Hier im hohen Norden ist die Infrastruktur sehr gut, nicht nur bezüglich Ladestationen. Es gibt in jedem grösseren Ort mindestens einen ICA-Supermarkt, vegleichbar mit unserem Migros. Diese Läden haben grosszügige Öffnungszeiten, hier in Arvidsjaur von 7 Uhr bis 22 Uhr sieben Tage in der Woche.
Wir folgen der E45, die uns weiter ins Rentierland führt. Die Gegend wird immer einsamer, die Häuser und Siedlungen immer seltener. Zwischendurch fällt auf den Hochebenen sogar etwas feiner Schnee, der jedoch auf der Fahrbahn nicht liegen bleibt. Wir begegnen auch einzelnen Rentieren, die am Strassenrand grasen und sich durch uns nicht stören lassen. Wir sind ja aber auch sowas von auf leisen Sohlen unterwegs mit unserem Volvi! Im Internet haben wir erfahren, dass dies in Schweden ein geläufiger "Kosenamen" für Fahrzeuge der Marke Volvo ist. Das übernhemen wir natürlich. Obwohl es für mich schon etwas fremdartig ist, einer Maschine oder einem Fahrzeug einen Namen zu geben. Andererseits wird jedes Schiff auf einen Namen getauft, und soweit ich weiss auch oft Flugzeuge und Lokomotiven. Dann dürfen wir unserem fjordblauen Gefährt, das uns zuverlässig tausende Kilometer durch Skandinavien kutschiert, wohl auch Volvi sagen!
Aber wir schweifen ab: Kurz vor Jokkmokk überqueren wir den Polarkreis. Dort gibt es einen Rastplatz und Informationstafeln, die den Sachverhalt verständlich erklären. Fakt ist, dass wir nicht genau erfahren, wo sich der Polarkreis den nun genau befindet. Denn er verschiebt sich von Jahr zu Jahr ein wenig, da die Erdachse nicht stabil ist. Man könnte despektierlich sagen, dass sie im Weltall herum eiert. Egal, spätestens ein paar hunter Meter nördlich des Rastplatzes werden wir den Polarkreis dann definitv überschritten haben.


Der Rastplatz liegt - wie könnte es anders sein - an einem See, der noch weitegehdn gefroren ist. Gemäss Handtest lässt sich eine Temperatur feststellen, die fürs Baden nur eingeschränkt tauglich ist.

Da es noch früh am Nachmittag ist, planen wir in Jokkmokk einen Besuch des Samenmuseums, bevor wir ins vorgebuchte Hotel fahren. Leider hat das Museum am Montag geschlossen. Also beziehen wir unsere Zimmer im Hotel Akerlund. Es handelt sich um ein relativ kleines Hotel im traditionellen schwedischen Holzbaustil. Die Zimmer sind gemütlich und sauber.

Im gleichen Gebäude gibt es ein Restaurant, das aber nicht direkt zum Hotel gehört. Wir erkundigen uns, ob es am Abend geöffnet hat. Die Bedienung gibt uns etwas wirsch zu verstehen, dass es nur ein Menü gibt. Wir fragen, ob es auch eine Möglichkeit gibt, sich vegetarisch zu verpflegen und werden mit einem klaren Nein abgespiesen. Das genügt uns, um uns nach einem anderen Restaurant umzusehen. Schon bald machen wir uns auf den Weg zu einem anderen, grösseren Hotel, das über ein Restaurant verfügt. Dort werden wir herzlich willkommen geheissen - wie wir es uns eigentlich in Schweden gewohnt sind. Uns wird ein reichhaltiges Buffet vorgestellt, an dem wir aus vielen lecker zubereiteten Speisen auswählen können. Das behagt uns sehr. Einerseits können wir uns selber bedienen und damit auch die Portionen selber festlegen. Andererseits können wir verschiedene Speisen ausprobieren. So wähle ich erstmals Rentier-Geschnetzeltes aus, das mir sehr mundet. Die Bedienung fragt mehrmals nach, ob alles ok ist und merkt an, dass wir das Dessert unbedingt probieren müssen.
Apropos Portionen: Ich kämpfe seit Reisebeginn mit Verdauungsproblemen, so dass ich mich vorsichtig und mit kleinen Portionen ernähre. Da kommt mir so ein Buffet sehr gelegen, wo ich selbver wählen kann, was und wieviel ich auf den Teller packe.
Gut genährt und rundum zufrieden verlassen wir das Hotel, um zu unserem eigenen zurückzukehren. Morgen wollen wir den Museumsbesuch nachholen und uns dann auf den Rückweg nach Arvidsjaur machen. Dort zweigen wir dann Richtung Norwegen ab.
Die Ortschaft Jokkmokk hat nicht ganz 3000 Einwohner. Die Gemeinde Jokkmokk ist allerdings mit rund 20'000 km2 halb so gross wie die Schweiz! Mich faszinieren diese über weite Strecken unbewohnten Landschaften, wo die Natur noch sich selber sein darf.
Tagesstatistik:
Wetter: Bedeckt und kühl (3-6°), teilweise leichtes Nieseln
Fahrstrecke: 306 km
Ladestopps: 2
Geladen: 76 kWh
Kosten: CHF 25.65
Durchschnittspreis/kWh: CHF 0.34