Tag 8 - Lappland

Heute erreichen wir ein erstes Hauptziel unserer Reise: Lappland

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Tag 8 - Lappland

Sonntag 3. Mai 2026

Die Landschaft ändert sich erneut, und die Vegetation widerspiegelt den Stand der Jahreszeit so weit nördlich. Es ist nicht mehr Winter, aber auch noch nicht Frühling. Die Wachstumsphase der Bäume und Gräser hat noch nicht begonnen, und die Seen sind grossenteils noch gefroren. So begrüsst uns Lappland auf der Fahrt von Sveg nach Storuman.

Etwa nach einem Drittel der Strecke verlassen wir die E45 und machen im Zentrum von Östersund Halt. Es ist weitherum die grösste Stadt. Sie liegt fast im geografischen Zentrum von Schweden. Die Altstadt ist im Sommer sehr belebt, und sogar heute flanieren viele Leute durch die Gassen, wohl weil Sonntag ist.

Wir kehren in einem der vielen Cafés ein und staunen ob der gemütlichen Atmosphäre und den vielen Dekorationen. Über Geschmack lässt sich streiten, aber wir fühlen uns sofort willkommen. Auch das Personal ist sehr freundlich und aufmerksam. Diesen Eindruck haben wir generell von Schweden. Wir hatten hier noch keine unfreundliche oder miesepetrige Begegnung, sei es auf Fähren oder in Hotels und Restaurants oder zufällige Begegnungen an Ladestationen.

Interessante Inneneinrichtung
Hell und durchaus freundlich - wie das Personal

Nach der wohltuenden Erfrischung schlendern wir durch die Gassen zurück zum Auto.

Östersund hat rund 53'000 Einwohner und ist im Umkreis von 200 km die grösste Stadt in diesem Teil von Schweden.
In Östersund gibt es viele gut erhaltene Holzhäuser.

Da der Akku unseres Autos noch halb voll ist, verschieben wir den Ladestopp auf später und fahren weiter Richtung Norden.

Die Landschaft wird karger, und die Einsamkeit grösser. Am Strassenrand sehen wir häufig an scheinbar zufälligen Stellen rote Kreuze auf einer Stange, meistens zwei nebeneinander. Es handelt sich um Verkehrszeichen für Schneemobile, die hier im Winter auf eigenen Trassen durch die Wälder brettern. Sie machen die Fahrer auf eine Strassenquerung aufmerksam. Das scheint mir ziemlich wichtig zu sein. Eine direkte Begegnung mit einem Auto wäre wohl für den Schneetöff und seine Besatzung ziemlich ungesund.

Einsame Landschaft und doch immer wieder Zeichen von Zivilisation

Auf dem schmelzenden Eis der teilweise noch gefroreren Seen sehen wir Spuren von solchen Schneemobilen, die im Winter zeitsparende Abkürzungen fahren können.

Die Seen tauen langsam auf, die Schneemobile bleiben wohl für einige Zeit in der Garage.

Unseren Ladestopp legen wir in Hammerdal ein. Hier laden wir bei OKQ8, einem in Schweden sehr verbreiteten Tankstellenbetreiber, der sein Tankstellennetz konsequent mit Ladestationen ergänzt hat. Ich bin gespannt darauf, wann die ersten Zapfsäulen durch Ladestationen ersetzt werden. Die Zeit scheint mir insbesondere in den skandinavischen Ländern reif dafür zu sein. Hier sind E-Autos absolut keine Exoten mehr.

Uns fällt schon seit Mora auf, dass die Einheimischen oft in T-Shirt und/oder kurzen Hosen unterwegs sind, obwohl wir "Südländer" die Temperaturen von wenigen Grad über Null als durchaus kühl bezeichnen.

Die letzte Etappe des Tages bringt uns schliesslich nach Storuman. Was uns bei der Fahrt ebenfalls auffällt, sind die grossen Gemeinden in diesem Teil von Schweden. Wir treffen zum Beispiel auf ein Schild am Strassenrand, das uns in der Gemeinde Storuman begrüsst, obschon die Ortschaft selber noch 35 km entfernt ist. Beim Recherchieren wurde ich belehrt, dass die Ausdehnung von Storuman sich über 240 km von der norwegischen Grenze nach Südosten erstreckt und dass die Fläche der Gemeinde über 8200 Quadratkilometer beträgt. Und trotzdem hat sie nur etwas über 5000 Einwohner.

Wir checken kurz vor 18:00 Uhr im Hotel Toppen ein, dem grössten im Ort. Es ist sehr komfortabel eingerichtet. Auch dies ist ein Vorteil, wenn man ausserhalb der Saison reist: Die Übernachtungspreise sind moderat. Direkt aufd dem Hotelparkplatz befindet sich ein leistungsfähiger Ionity-Ladepark, wo wir unser Auto komfortabel aufladen können, damit es für den nächsten Tag bereit ist.

Das Hotel von der Strassenseite. Bei dem roten Kerl handelt es sich um den "Vildmannen" einer Sagenfigur, die Stärke, Widerstandskraft und das raue Leben in Lappland symbolisiert. Die Figur ist auch im Wappen Lapplands zu finden.
Schnelles Laden direkt vor dem Hotel.

Da uns der Hunger plagt, suchen wir eine geeignete Verpflegungseinrichtung. Wir stellen fest, dass die meisten Restaurants um 20:00 Uhr schliessen. Daher sputen wir uns und hechten noch rechtzeitig in eine Pizzeria, wo wir uns zwei grosszügige Portionen inklusive Salatteller bestellen.

Pizza - ziemlich weit weg von Italien

Nach der Rückkehr ins Hotelzimmer fallen uns noch zwei Dinge auf. Alle Zimmer hier im Norden sind mit dicken lichtundurchlässigen Vorhängen ausgestattet. So lässt es sich friedlich schlafen, auch wenn draussen die Sonne nicht untergeht.
Und zum Zweiten gibt es neben dem eigentlichen Fenster noch ein zweites schmales, das mit einem stabilen feinmaschigen Fliegengitter ausgestattet ist. So kann man im Sommer lüften, ohne damit ganze Mückenschwärme ins Zimmer zu locken. Auch dies ist ein Vorteil, wenn man die Region um diese frühe Jahreszeit bereist: Man braucht noch keinen Mückenspray.

Tagesstatistik:

Wetter: leicht bewlökt, kühl
Fahrstrecke: 489 km
Ladestopps: 2
Geladen: 108 kWh
Kosten: CHF 45.75
Durchschnittspreis/kWh: CHF 0.42